Verband der Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung
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KKV-Bund / Ortsgemeinschaft Lohne

Dr. Rudolf Seiters zu Gast beim KKV Lohne Samstagsforum

Dr. Rudolf Seiters
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Der DRK-Präsident sprach auch über politische Zeiten. "Vom Balkon aus sah ich Rot-Kreuz-Zelte"

Als er in der Fragestunde beim Treffen des Verbandsder Katholiken in Wirtschaft und Verwaltung (KKV) Lohne als „Haudegen alter Polit“ bezeichnet wurde, musste sich Dr. Rudolf Seiters ein Schmunzeln verkneifen. Doch dann antwortete der ehemalige Chef des Bundeskanzleramtes (1989 bis 1991) undMinister für besondere Aufgaben, Bundesinnenminister (1991 bis 1993) und Vizepräsident des Bundestags (1998 bis 2002) und amtierende Präsident des Deutschen Roten Kreuzes diplomatisch auf die Frage, was er tun würde, wenn er heute noch aktiv in der Politik wäre.

„Als Präsident des DRK bin ich überparteilich“, betonte er. „Man muss jetzt aber eine interne Zwischenbilanz ziehen und schauen, wie man das Vertrauen wieder herstellen kann.“ Nach derWahl des Bundespräsidenten müsse man durchatmen. Die Sommerpause sei gut, um wieder Kraft zu tanken. Und wenn Deutschland die Fußball-Weltmeisterschaft gewinne, hebe sich auch die Stimmung der Deutschen. Unterm Strich müssten die Leute das Gefühl haben, dass Politik gerecht sei. „Merkel hat es nicht leicht mit den drei Parteien“, erklärte Seiters, der aufgrund seines eigenen politischen Werdegangs einiges über Machtspiele in Bonn und Berlin zu erzählen wusste. Im Gespräch mit Moderator Klaus Esslinger und einigen Frage- Stellern aus den gut besetzten Reihen der KKV plauderte Seiters aus dem Nähkästchen seiner eigenen Erfahrungen und Erinnerungen. So sei sein Verhältnis mit Alt-Kanzler Helmut Kohl anfangs gar nicht so ungetrübt gewesen, wie viele glaubten. Denn Seiters hatte im direkten Wahl-Kampf Rainer Barzel – Helmut Kohl um die Kiesinger- Nachfolge nicht den Oggersheimer unterstützt, was dieser ihm anfangs nachtrug. „Als er dann gewählt wurde, war ich plötzlich nicht mehr parlamentarischer Geschäftsführer, aber das ging in Ordnung. Jeder umgibt sich in dieser Position mit Menschen, die sein bedingungsloses Vertrauen genießen.“ Das erarbeitete sich Seiters. Vor allem imWahlkampf, der der CDU erstmals die absolute Mehrheit im Bundestag einbringen sollte. „Das war ein prima Wahlkampf – und danach stand ich wieder in Kohls Notizbuch.“ Das merkte er beim Rasenmähen in Papenburg: Denn das tat er, als Kohl ihn anrief und ihm das Amt des Kanzleramtsministers anbot. „Das erste, was er damals sagte, war: ’Hast Du einen schwarzen Anzug?’.“

Auch die Wiedervereinigung war am Samstag ein Thema, denn Seiters stand damals neben Hans-Dietrich Genscher auf dem Balkon der Prager Botschaft, als der seinen legendären Satz nicht vollenden konnte. „Das war einer der ergreifendsten und anrührendsten Szenen meines politischen Lebens“, erklärte der 72-Jährige den KKVMitgliedern. Vom Balkon der Botschaft sah Seiters aber nicht nur 4000 hoffnungsvolle Menschen, die zu ihnen aufblickten, sondern auch zahlreiche Rot-Kreuz-Zelte. „Dieses Engagement hat mich persönlich sehr angerührt.“ Daher habe er gern zugesagt, als ihm das Ehrenamt des DRKPräsidenten nach seinem Ausscheiden aus der Politik angeboten wurde. Dass christliche Werte in der heutigen Politik nicht mehr vorhanden seien, mochte Seiters nicht unterschreiben. „Im Parteiprogramm der CDU ist dies nach wie vor fest verankert. Aber Politik ist auch ein Tagesgeschäft, in der Kompromisse geschlossen werden müssen.“ Kein Verständnis hat Seiters für diejenigen, die nicht wählen. „Ich erinnere in dem Zusammenhang immer an den 17. Juni in der damaligen DDR. Diese Leute wären gern wählen gegangen. Dieses Bewusstsein können aber nicht nur Schulen und Medienwecken, das ist vorrangig eine Auftgabe der Familien"

Quelle: OV 28.06.2010

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Dr. Norbert Lodde (Vors. KKV), Dr. Rudolf
Seiters und Moderator Klaus Esslinger.


Fotos: KKV Lohne
   
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Auf ein Honorar verzichtete Dr. Rudolf Seiters (rechts).
Stattdessen bat er KKV-Vorsitzenden Dr. Norbert Lodde (links)
um eine Spende für das örtliche DRK. Die nahm Wilfried
Büscher, stellvertretender DRK-Kreisvorsitzender (2. von links)
gern entgegen. Moderator Klaus Esslinger (2. von rechts).